"Die Jugend von heute..."
"Zu meiner Zeit ..."
"Das hätten wir uns nicht getraut..."
Diese Floskeln hört man immer wieder. Und das schon seit Jahrtausenden. Wenn man dem Glauben schenken möchte, dann wird jede Generation schlechter, destruktiver, unmoralischer und respektloser als die voran gegangene.
Ist das wirklich so?
Ich möchte hier ein paar Beobachtungen wiedergeben. Natürlich handelt es sich hierbei um Einzelbeispiele und man sollte sie nicht pauschalisieren. Dennoch bin ich der Meinung, sie sprechen für sich.
Fangen wir mit einem Beispiel aus dem Privatfernsehen an.
Vor einiger Zeit blieb ich mal bei einer Vormittags-Talkshow hängen (Asche auf mein Haupt). Thema war die Respektlosigkeit der Jugend. Nachdem einige Damen mittleren bis reiferen Alters sich negativ ausgelassen hatten, wurde ein 16jähriges Mädchen herein gebeten. Sofort wurde sie von einer Frau böse angekeift. Natürlich reagierte sie entsprechend. Dies wurde als Beleg für alle bisherigen negativen Meinungen heran gezogen. Obwohl sie mehrfach versuchte, sich sachlich zu äußern, wurde sie immer wieder beschimpft. Sie solle die Frau nicht unterbrechen, bekam aber selbst keine Chance, einen Satz zu beenden. Und sie solle sich heraus halten, wenn sich "Erwachsene" unterhielten (Wohlgemerkt, sie wurde eingeladen, um zu diesem Thema etwas zu sagen).
Zweites Beispiel: Zugfahrt von Zwickau nach Chemnitz
Es war ein heißer Nachmittag. Zwei junge Damen saßen mit im Vorraum vor dem Abteil. (Ich gebe zu, daß ich ab und zu einen Blick ob ihrer offenherzigen Kleidung riskierte)
In Glauchau – also etwa auf halber Strecke – stieg ein gutgelaunter und ausgeruhter Radfahrer (etwa Ende 40/Anfang 50) ein. Er ging zielstrebig auf die beiden zu und fuhr sie ohne einen Gruß oder ein "Bitte" zu benutzen an, sie sollen gefälligst aufstehen, damit er sein Fahrrad anschnallen könne. Das "Fahrrad abstellen verboten" Schild auf dem Boden ignorierte er.
Wie gesagt, es war an dem Tag verdammt heiß und die Mädchen kamen gerade aus der Schule-Uni-Ausbildung (?) und waren natürlich ziemlich erschöpft und müde. Eigentlich hätte ich mich einmischen müssen, aber ich gebe zu, ich war über so viel Frechheit und Anmaßung ziemlich erschrocken und sprachlos.
Drittes Beispiel: Straßenbahn in Zwickau
Im hinteren Teil der Straßenbahn befand sich eine Gruppe Jugendlicher. Mir waren sie ziemlich unsympathisch. Ihre Lautstärke in der Unterhaltung und ihrer abgespielten Musik waren unangemessen hoch und in einer vollbesetzten Bahn unangenehm und störend. Ebenfalls hinten war noch eine Frau mit Kinderwagen. Als sie aussteigen wollte, setzte einer dieser "Lärmteufel" gerade dazu an, ihr seine Hilfe anzubieten. Doch dazu kam er nicht, denn bevor er ein Wort verlieren konnte, "bellte" sie ihn geradezu an, ob er es denn nicht nötig habe, ihr behilflich zu sein. Von diesem bösartigem Tonfall beleidigt verweigerte er ihr den Beistand und nahm wieder Platz.
Ich erlaube mir kein Urteil, ob diese Reaktion richtig war, verständlich und nachvollziehbar war sie allemal.
Viertes Beispiel:
Ich hatte mich mit einem Freund (ein paar Jahre jünger als ich) auf dem Hohensteiner Bahnhof getroffen. Wir wollten zum Wrestlingtraining und zur GSW-Show nach Marburg und waren dementsprechend gut gelaunt. Als eine junge Frau mit Kinderwagen zum Bahnsteig wollte, ging B. Ihr sofort entgegen um ihr auf der Treppe zu helfen. Bis hierhin alles, wie es sein soll! Doch kaum waren sie oben angekommen und hatten den Wagen abgestellt, wurde B. Von hinten bösartig angefaucht, er solle nicht im Weg herum stehen. (Von einem Mittvierziger, der mit einem Fahrrad über der Schulter die Treppen hochkam und den er unmöglich hinter sich hätte sehen können).
Wie eingangs geschrieben möchte ich das nicht pauschalisieren. Sicherlich bringt jede Generation die unterschiedlichsten Charaktere hervor. Doch wenn man all diese Beispiele zusammen nimmt, muß ich in aller Offenheit sagen:
Die Jugend von damals ist auch noch nicht das, was sie noch nie war.
30 August 2012
27 August 2012
Gummientenrennen in Chemnitz
Wir hatten uns entschlossen, mit zwei Enten am diesjährigen Gummientenrennen in Chemnitz teilzunehmen. 1712 und 1713 waren unsere Startnummern bzw. die unserer Enten. Pünktlich um 14:00 Uhr starteten die Enten an der Bierbrücke in Chemnitz. Das Ziel war die Hartmannbrücke, etwa 300 m entfernt. Nachdem alle Gummienten ins Wasser gepurzelt waren, ging es erstmal zügig voran - für einen kleinen Moment. Denn schon nach wenigen Augenblicken wurde ein Großteil der Enten vom Wind ans Ufer geweht. Ein einzelner Helfer lief hinterher, um sie wieder zurück in die strömung zu werfen. Eine undankbare Aufgabe, kamen sie doch immer wieder zurück. Irgendwann wurde es ihm zu viel und er holte sich einen Besen, mit dem er gleich eine größere Menge Enten zurück schieben konnte. Die ersten waren schon fast am Ziel, während die hinteren gerade das erste viertel hinter sich gebracht hatten. Trotzdem blieb es spannend, da hinten etwas stärkere Strömung war und sie dadurch noch die Chance hatten, aufzuholen. Doch dann kam ein leichter Wind auf, durch den tatsächlich die hinteren Enten noch einmal ein Stück weit zurück schwammen. Nach etwa einer Stunde kam die erste Ente ans Ziel. Leider war keine von unseren mit unter den Gewinnern.


23 August 2012
Sponsoring
Ich habe diese Woche gelesen, daß ein gewisser Hersteller von Frühstücksflocken seinen Sponsorvertrag für eine Fußballmannschaft verlängert hat. Klar, ein gewisses Auftreten und Image ist notwendig, um ein Produkt bekannt zu machen und zu repräsentieren.
Aber wieso kommt nicht mal so ein Großkonzern auf die Idee, statt einer Gruppe von Leuten, die bereits Millionen verdienen, eine alleinerziehende arbeitslose Mutter mit drei Kinder zu sponsorn?
Oder ein Theater, einen Kindergarten, ein Umweltschutzprojekt, ein Tierheim oder ähnliches?
Aber wieso kommt nicht mal so ein Großkonzern auf die Idee, statt einer Gruppe von Leuten, die bereits Millionen verdienen, eine alleinerziehende arbeitslose Mutter mit drei Kinder zu sponsorn?
Oder ein Theater, einen Kindergarten, ein Umweltschutzprojekt, ein Tierheim oder ähnliches?
14 August 2012
Rassebegriff beim Menschen
Mir ist klar, daß ich für diesen Blogeintrag eingefeindet werde, er vielfach mißverstanden oder bewußt falsch gedeutet werden wird. Deshalb möchte ich gleich eingangs klar stellen, daß ich mich gegen Rassismus, Diskriminierung und Fremdenhass ausspreche. Es geht mir hierbei lediglich um einen biologischen Begriff, dessen Bedeutung völlig ignoriert wird.
Vor einigen Jahren wurde offiziell verkündet, es gäbe keine unterschiedlichen Rassen bei der Spezies Mensch. Als Beweis wurde eine gemeinsame Abstammung der Spezies genannt.
Ok, die Erkenntnis von der gemeinsamen Abstammung war so neu, daß sie seit etlichen Generationen in den Schulbüchern aufgeführt wird.
Was dabei auffällt: Unsere Haushunde haben ebenfalls ein gemeinsame Abstammung (wahrscheinlich den Wolf, obwohl es mittlerweile Theorien gibt, wonach der Vorfahre des Hundes eher der Schakal war).
Ebenso unsere Katzen.
Dennoch wird bei diesen Tieren von unterschiedlichen Rassen gesprochen, obwohl sie teilweise mehr Gemeinsamkeiten haben, als verschiedene Menschen.
Wenn eine Gruppe von Individuen einer bestimmten Spezies besondere Eigenschaften aufweist (durch Mutation oder Kreuzung), die sie vom Rest der Spezies unterscheiden, diese Eigenschaften genetisch bedingt sind, weiter vererbt werden und diese Gruppe eine eigene Population bildet, bezeichnet man diese als "Rasse".
Diese Eigenschaften können folgende sein: Haut- oder Haarfärbungen, körperliche Besonderheiten, Angepasstheit an bestimmte Lebensräume, Resistenz gegen Krankheiten, Resistenz gegen bestimmte Drogen und Gifte, Aufnahme und Verarbeitung – Verdauung – bestimmter Nahrungsmittel, angeborene Verhaltensweisen u.ä.
Genug dieser Punkte machen also deutlich, daß es durchaus unterschiedliche Menschenrassen gibt. Wieso manche damit ein Problem haben, ist mir unklar.
Das Wort "Rasse" an sich ist ein wertneutraler, biologischer Begriff. Daß er als Vorwand für Vorurteile und Abwertung einiger Menschen mißbraucht wurde, ist verwerflich, aber das ändert nichts an dem Punkt, daß sich die Menschheit in unterschiedliche Richtungen entwickelt hat.
Vor einigen Jahren wurde offiziell verkündet, es gäbe keine unterschiedlichen Rassen bei der Spezies Mensch. Als Beweis wurde eine gemeinsame Abstammung der Spezies genannt.
Ok, die Erkenntnis von der gemeinsamen Abstammung war so neu, daß sie seit etlichen Generationen in den Schulbüchern aufgeführt wird.
Was dabei auffällt: Unsere Haushunde haben ebenfalls ein gemeinsame Abstammung (wahrscheinlich den Wolf, obwohl es mittlerweile Theorien gibt, wonach der Vorfahre des Hundes eher der Schakal war).
Ebenso unsere Katzen.
Dennoch wird bei diesen Tieren von unterschiedlichen Rassen gesprochen, obwohl sie teilweise mehr Gemeinsamkeiten haben, als verschiedene Menschen.
Wenn eine Gruppe von Individuen einer bestimmten Spezies besondere Eigenschaften aufweist (durch Mutation oder Kreuzung), die sie vom Rest der Spezies unterscheiden, diese Eigenschaften genetisch bedingt sind, weiter vererbt werden und diese Gruppe eine eigene Population bildet, bezeichnet man diese als "Rasse".
Diese Eigenschaften können folgende sein: Haut- oder Haarfärbungen, körperliche Besonderheiten, Angepasstheit an bestimmte Lebensräume, Resistenz gegen Krankheiten, Resistenz gegen bestimmte Drogen und Gifte, Aufnahme und Verarbeitung – Verdauung – bestimmter Nahrungsmittel, angeborene Verhaltensweisen u.ä.
Genug dieser Punkte machen also deutlich, daß es durchaus unterschiedliche Menschenrassen gibt. Wieso manche damit ein Problem haben, ist mir unklar.
Das Wort "Rasse" an sich ist ein wertneutraler, biologischer Begriff. Daß er als Vorwand für Vorurteile und Abwertung einiger Menschen mißbraucht wurde, ist verwerflich, aber das ändert nichts an dem Punkt, daß sich die Menschheit in unterschiedliche Richtungen entwickelt hat.
11 August 2012
kein schlechtes Gewissen
Gestern fiel mir ein Bild auf, das jemand auf Facebook geteilt hat: Auf der einen Seite war eine Gruppe junger Leute, die sich mit Wasserpistolen bespaßen, dem gegenüber ein Kind in Afrika, das an Wassermangel verdurstet. Ich frage mich ganz ehrlich: Was soll das? Ich bin mir im Klaren darüber, daß die Verteilung der Resourcen auf diesem Planeten nicht gerecht ist und daß wir viele Probleme in der Welt haben. Ich bin auch bereit, im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten etwas zu tun, zu bewegen und zu verändern. Ich unterstütze Hilfsprojekte, nehme an Protestaktionen gegen Schweinereien von Politik und Wirtschaft teil, verbreite Meldungen weiter, um auf Probleme hinzuweisen und leiste auch selbst Hilfe, wo es mir möglich ist. Aber irgendwo ist es dann genug! Ich muß mir von niemandem ein schlechtes Gewissen einreden lassen, weil ich das Glück habe, in einem Teil der Welt geboren zu sein, wo wir (noch) nicht unter solchen Mängeln leiden müssen. Ich bin KEIN schlechter Mensch, weil ich glücklich sein möchte, weil ich gern Spaß mit meinen Freunden habe und weil ich mit meinem Leben zufrieden bin. Ich lebe gern, und das werde ich auch weiterhin, auch, wenn die Welt nicht perfekt ist.
31 Juli 2012
Leseprobe aus "Es war einmal...Gothic Fiction en minature"
Hier mal eine Geschichte aus meinem letzten Buch :)
DAS BILDNIS DES D.G.
Meine Vorliebe für schöne und alte Dinge war es, die mich in dieses Antiquitätengeschäft geführt hatte. Das Bild aber, welches mich so gefangen nahm, war alles andere als “schön” zu nennen. Schön war allenfalls der Rahmen. Das Bild des alten Mannes aber – ausgezehrt, verfallen, mehr ein Bild eines Toten als eines lebenden Menschen Gesicht - war eine zum Himmel schreiende Abscheulichkeit. Als ob alle Sündhaftigkeit, alle Grausamkeit, alle bösen Untiefen der menschlichen Seele im Antlitz eines einzigen Menschen zu sehen wären und hinter dieser entsetzlichen Maske die Welt verlachten. Doch zwang dieses grauenvolle Gemälde jeden noch so arglosen Betrachter in einen geheimnisvollen Bann. Mehr als alle anderen Bilder, die ich jemals erblickt hatte, schien dieses der Wirklichkeit selbst entsprungen zu sein. Fast erwartete ich, der alte Mann würde sich von der vergilbenden Leinwand lösen und mir entgegen kommen. Die stechenden Augen schienen mich zu verfolgen und es war, als wolle der zu einem bösen Lächeln verzogenen Mund zu mir sprechen, mich zu unvorstellbaren Taten anstacheln. In diesem sonderbaren Rausch, in den dieses Abbild der Häßlichkeit mich versetzt hatte, kaufte ich das Gemälde. Zu hause bekam es den vorteilhaftesten Platz, den ich in meinem Wohnzimmer finden konnte. Nicht für eine Sekunde konnte ich mich seiner Anziehung entziehen. Den Tag verbrachte ich damit, es zu betrachten. Und im Laufe der Stunden schien es mir immer weniger abstoßend. Die fahle Hautfarbe schien rosiger zu sein, als ich auf den ersten Blick geglaubt hatte und die Falten erschienen mir weniger und nicht mehr so tief. Vielleicht hatte es in dem Antiquitätengeschäft in einem ungünstigerem Licht gehangen. Früher als gewohnt schlief ich an diesem Abend ein. Auch im Traum verfolgte mich dieses Bild. Der alte Mann sprach zu mir, hauchte mir ein, meine Tugenden zu vergessen und mich den süßen Verführungen der Sünde hinzugeben. Das Erwachen kam einem tiefen Schrecken gleich. Der Schlaf hatte mir keine Erholung gebracht, mich vielmehr völlig ausgelaugt. So vergingen die Monate. Besuche von Freunden erhielt ich seit einer geraumen Weile nicht mehr. Sie alle fühlten sich in der Umgebung dieses Bildes unbehaglich und rieten mir, diese Abscheulichkeit so bald als möglich zu entfernen. Allein, für mich wurde dieses Gemälde immer mehr zum Mittelpunkt meines Lebens. Meine Betrachtungen unterbrach ich nur noch zum Essen oder Schlafen. Jeden Tag schien mir das Bild verändert. Von dem alten Mann war nichts mehr zu sehen. Er schien sich verjüngt zu haben und ich konnte mir nicht mehr vorstellen, ein anderes Bild als das eines jungen, hoffnungsvollen, lebenshungrigen Mannes gekauft zu haben. Ich jedoch fühlte mich seit Wochen um Jahrzehnte gealtert. Mein Spiegelbild hatte sich verändert und strafte das Datum auf meiner Geburtsurkunde schändlich Lügen. In der Nacht, nachdem mir diese Erkenntnis gekommen war, wurde ich von Alpträumen geplagt. Das Bild, auf dem ich nun den Händler wiedererkannte, der es mir verkauft hatte, verlachte mich ob meiner Gebrechlichkeit. Sobald ich erwacht war brachte ich, von Grauen geschüttelt, das Bild wieder zurück. Der Händler schien mich schon zu erwarten, denn er begrüßte mich mit den Worten: “Da sind sie ja endlich. Sie haben länger gebraucht als die meisten anderen. Ihre Kraft muß um vieles größer gewesen sein. Wissen sie, auch die Jahre, um die mein Abbild altert, sind gezählt. Wenn die Zeit abgelaufen ist, muß es die Jugend eines anderen aufnehmen, oder auch ich beginne, zu altern. Ich bin ihnen zu großem Dank verpflichtet.” Entsetzt floh ich diesen Ort. Und ich muß jeden davor warnen, “Grays Antiquitäten” zu besuchen.
Das Buch ist hier zu bekommen
DAS BILDNIS DES D.G.
Meine Vorliebe für schöne und alte Dinge war es, die mich in dieses Antiquitätengeschäft geführt hatte. Das Bild aber, welches mich so gefangen nahm, war alles andere als “schön” zu nennen. Schön war allenfalls der Rahmen. Das Bild des alten Mannes aber – ausgezehrt, verfallen, mehr ein Bild eines Toten als eines lebenden Menschen Gesicht - war eine zum Himmel schreiende Abscheulichkeit. Als ob alle Sündhaftigkeit, alle Grausamkeit, alle bösen Untiefen der menschlichen Seele im Antlitz eines einzigen Menschen zu sehen wären und hinter dieser entsetzlichen Maske die Welt verlachten. Doch zwang dieses grauenvolle Gemälde jeden noch so arglosen Betrachter in einen geheimnisvollen Bann. Mehr als alle anderen Bilder, die ich jemals erblickt hatte, schien dieses der Wirklichkeit selbst entsprungen zu sein. Fast erwartete ich, der alte Mann würde sich von der vergilbenden Leinwand lösen und mir entgegen kommen. Die stechenden Augen schienen mich zu verfolgen und es war, als wolle der zu einem bösen Lächeln verzogenen Mund zu mir sprechen, mich zu unvorstellbaren Taten anstacheln. In diesem sonderbaren Rausch, in den dieses Abbild der Häßlichkeit mich versetzt hatte, kaufte ich das Gemälde. Zu hause bekam es den vorteilhaftesten Platz, den ich in meinem Wohnzimmer finden konnte. Nicht für eine Sekunde konnte ich mich seiner Anziehung entziehen. Den Tag verbrachte ich damit, es zu betrachten. Und im Laufe der Stunden schien es mir immer weniger abstoßend. Die fahle Hautfarbe schien rosiger zu sein, als ich auf den ersten Blick geglaubt hatte und die Falten erschienen mir weniger und nicht mehr so tief. Vielleicht hatte es in dem Antiquitätengeschäft in einem ungünstigerem Licht gehangen. Früher als gewohnt schlief ich an diesem Abend ein. Auch im Traum verfolgte mich dieses Bild. Der alte Mann sprach zu mir, hauchte mir ein, meine Tugenden zu vergessen und mich den süßen Verführungen der Sünde hinzugeben. Das Erwachen kam einem tiefen Schrecken gleich. Der Schlaf hatte mir keine Erholung gebracht, mich vielmehr völlig ausgelaugt. So vergingen die Monate. Besuche von Freunden erhielt ich seit einer geraumen Weile nicht mehr. Sie alle fühlten sich in der Umgebung dieses Bildes unbehaglich und rieten mir, diese Abscheulichkeit so bald als möglich zu entfernen. Allein, für mich wurde dieses Gemälde immer mehr zum Mittelpunkt meines Lebens. Meine Betrachtungen unterbrach ich nur noch zum Essen oder Schlafen. Jeden Tag schien mir das Bild verändert. Von dem alten Mann war nichts mehr zu sehen. Er schien sich verjüngt zu haben und ich konnte mir nicht mehr vorstellen, ein anderes Bild als das eines jungen, hoffnungsvollen, lebenshungrigen Mannes gekauft zu haben. Ich jedoch fühlte mich seit Wochen um Jahrzehnte gealtert. Mein Spiegelbild hatte sich verändert und strafte das Datum auf meiner Geburtsurkunde schändlich Lügen. In der Nacht, nachdem mir diese Erkenntnis gekommen war, wurde ich von Alpträumen geplagt. Das Bild, auf dem ich nun den Händler wiedererkannte, der es mir verkauft hatte, verlachte mich ob meiner Gebrechlichkeit. Sobald ich erwacht war brachte ich, von Grauen geschüttelt, das Bild wieder zurück. Der Händler schien mich schon zu erwarten, denn er begrüßte mich mit den Worten: “Da sind sie ja endlich. Sie haben länger gebraucht als die meisten anderen. Ihre Kraft muß um vieles größer gewesen sein. Wissen sie, auch die Jahre, um die mein Abbild altert, sind gezählt. Wenn die Zeit abgelaufen ist, muß es die Jugend eines anderen aufnehmen, oder auch ich beginne, zu altern. Ich bin ihnen zu großem Dank verpflichtet.” Entsetzt floh ich diesen Ort. Und ich muß jeden davor warnen, “Grays Antiquitäten” zu besuchen.
Das Buch ist hier zu bekommen
30 Juli 2012
"Dark Knight" Triple Feature in Chemnitz
Gestern wurden im Cinestar in Chemnitz alle drei Batman-Filme von Christopher Nolan gezeigt. Als Ex-"Real Life Superhero" konnte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen.
Zumal auch die Movie Goofs und die Belegschaft von Stilbruch Movies mit anwesend waren.
Obwohl die ersten beiden Teile etwas älter und hinreichend bekannt sind, möchte ich auch dazu etwas sagen (schreiben).
Die Filme für sich sind richtig genial und großartig. Für Fans der Comicserie jedoch sehr ... "enttäuschend" wäre das falsche Wort, wohl eher, verwirrend. Natürlich kann man die jahrzehntelange Entwicklung einer Comicfigur nicht in einem Film erzählen und es sind Veränderungen und Abstriche nötig. Aber in diesem Fall haben sich die Charaktere sehr weit von der Vorlage entfernt. (Wie gesagt, den Filmen tat das gut, aber ...)
BATMAN BEGINS
Wie im Filmtitel angekündigt geht es hier zurück zu den Anfängen. Der Film greift die Handlung mehrerer Comicbände auf und fasst sie zu einer Geschichte zusammen. Hauptsächlich ist es "Batman: Year One" ("Batman: Das erste Jahr"), der hier verfilmt wurde. Dieser Band wurde zusätzlich in einem eigenen Film unter dem gleichen Titel aufgegriffen. Des Weiteren Batmans Ausbildung in der "Liga der Meuchelmörder" (hier "Liga der Schatten"). Leider fehlen einige der bekannten Attentäter. Lady Shiva wäre im Film sicher sehr interessant gewesen.
Aus dem unsterblichen Öko-Terrorist Ras Al Ghul wurde im Film ein unethischer Gerechtigkeitsfanatiker. Seine Unsterblichkeit fand eine neue Definition: Wie in der alten Comicserie "Phantom" wird die Identität des "Haupts des Dämons" (Was der Name bedeutet) einfach weitergereicht.
Zurück in Gotham City tritt Bruce das erste Mal als Batman in Erscheinung. Nachdem er einige Kriminelle und sogar den Mafiaboss der Stadt ausgeschaltet hat, tritt ihm Scarecrow entgegen. Hinter dem steht aber ein noch gefährlicherer Gegner: Ras Al Ghul.
Am Ende wartet noch ein kleiner Bonus auf die Fans: Ganz in der Tradition der 60er Jahre Serie ruft Gordon Batman zu sich, um seine Hilfe für den nächsten Schurken zu erbitten.
Als nächstes käme der Zeichentrick-Episodenfilm "Gotham Knight", der zwischen "Batman begins" und "Dark Knight" spielt, doch dieser wurde ausgelassen.
DARK KNIGHT
In den Comics ist der Joker ein harmloser Familienvater, der gezwungen wurde, die Identität des Superschurken "Red Hood" anzunehmen. Als er von Batman gestellt wurde, fiel er in einen Behälter mit Säure, dem er entstellt und verstört wieder entstieg.
In Tim Burtons Batman von 1989 wurde der Sturz in die Säure zwar übernommen, doch war er schon vorher ein gefährlicher und psychopathischer Krimineller namens Jack Napier.
In dieser Definition hatte Batman es mit einem Anarchisten mit Hang zur Theatralik zu tun, der sich nur als Clown schminkte. In keiner anderen Spielfilmdarstellung von Cesar Romero bis Jack Nicholson wurde die kriminelle Genialität und der perverse Humor des Jokers so krass dargestellt wie in diesem Film. Noch dazu grandios gespielt von Heath Ledger. Viele bezeichnen ihn nicht unverdient als besten Joker-Mimen von allen, aber ich muß zugeben, ich persönlich bin mehr der Anhänger der Nicholson-Fraktion.
Ebenso genial wurde der tragische Fall von Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent noch nie in einem Film so nachvollziehbar und schmerzlich gezeigt, und so hat man sogar Mitleid mit Two Face. Eigentlich hätte diese Geschichte einen eigenen Film verdient, denn neben der Jagd auf den Joker geht das leider etwas unter.
DARK KNIGHT RISES
Dieser Film greift die Handlung der Comicepen "Knightfall" und "Niemandsland" auf und spielt noch ein wenig auf "Contagion – Die Seuche" an.
Bane, Batmans gefährlichster Gegener, taucht in Gotham auf. Bruce Wayne, der acht Jahre zurückgezogen lebte und unter seinen Narben und Verschleißerscheinungen leidet, ist erwartungsgemäß kein Gegner für die Kampfmaschine, die Batman gebrochen zurück lässt und Gotham City in eine rechtlose Zone verwandelt.
In dem grottenschlechten Film "Batman und Robin" wurde Bane nur als hirnloser Muskelberg gezeigt, hier bekommen wir wieder einen Schurken geboten, der Batman geistig und körperlich ebenbürtig ist.
In "Die Seuche" wird angedeutet, daß Bane der Sohn Ras Al Ghuls sein könnte, und so erscheint das im Film auch schlüssig. Um so überraschender ist es am Ende, daß Talia Banes Rolle übernimmt und Bane selbst eher die Rolle Troggs ausfüllt.
Nightwing wurde im Film durch den Polizisten John Blake ersetzt. Das funktioniert zwar ganz gut, aber es fragt sich, warum nach Dick Grayson, Jean-Paul Valley, Damien Wayne und – wie hieß der Typ aus "Batman of the Future" noch mal? - hier ein komplett neuer Nachfolger für das Batman-Kostüm erfunden werden musste.
Zumal auch die Movie Goofs und die Belegschaft von Stilbruch Movies mit anwesend waren.
Obwohl die ersten beiden Teile etwas älter und hinreichend bekannt sind, möchte ich auch dazu etwas sagen (schreiben).
Die Filme für sich sind richtig genial und großartig. Für Fans der Comicserie jedoch sehr ... "enttäuschend" wäre das falsche Wort, wohl eher, verwirrend. Natürlich kann man die jahrzehntelange Entwicklung einer Comicfigur nicht in einem Film erzählen und es sind Veränderungen und Abstriche nötig. Aber in diesem Fall haben sich die Charaktere sehr weit von der Vorlage entfernt. (Wie gesagt, den Filmen tat das gut, aber ...)
BATMAN BEGINS
Wie im Filmtitel angekündigt geht es hier zurück zu den Anfängen. Der Film greift die Handlung mehrerer Comicbände auf und fasst sie zu einer Geschichte zusammen. Hauptsächlich ist es "Batman: Year One" ("Batman: Das erste Jahr"), der hier verfilmt wurde. Dieser Band wurde zusätzlich in einem eigenen Film unter dem gleichen Titel aufgegriffen. Des Weiteren Batmans Ausbildung in der "Liga der Meuchelmörder" (hier "Liga der Schatten"). Leider fehlen einige der bekannten Attentäter. Lady Shiva wäre im Film sicher sehr interessant gewesen.
Aus dem unsterblichen Öko-Terrorist Ras Al Ghul wurde im Film ein unethischer Gerechtigkeitsfanatiker. Seine Unsterblichkeit fand eine neue Definition: Wie in der alten Comicserie "Phantom" wird die Identität des "Haupts des Dämons" (Was der Name bedeutet) einfach weitergereicht.
Zurück in Gotham City tritt Bruce das erste Mal als Batman in Erscheinung. Nachdem er einige Kriminelle und sogar den Mafiaboss der Stadt ausgeschaltet hat, tritt ihm Scarecrow entgegen. Hinter dem steht aber ein noch gefährlicherer Gegner: Ras Al Ghul.
Am Ende wartet noch ein kleiner Bonus auf die Fans: Ganz in der Tradition der 60er Jahre Serie ruft Gordon Batman zu sich, um seine Hilfe für den nächsten Schurken zu erbitten.
Als nächstes käme der Zeichentrick-Episodenfilm "Gotham Knight", der zwischen "Batman begins" und "Dark Knight" spielt, doch dieser wurde ausgelassen.
DARK KNIGHT
In den Comics ist der Joker ein harmloser Familienvater, der gezwungen wurde, die Identität des Superschurken "Red Hood" anzunehmen. Als er von Batman gestellt wurde, fiel er in einen Behälter mit Säure, dem er entstellt und verstört wieder entstieg.
In Tim Burtons Batman von 1989 wurde der Sturz in die Säure zwar übernommen, doch war er schon vorher ein gefährlicher und psychopathischer Krimineller namens Jack Napier.
In dieser Definition hatte Batman es mit einem Anarchisten mit Hang zur Theatralik zu tun, der sich nur als Clown schminkte. In keiner anderen Spielfilmdarstellung von Cesar Romero bis Jack Nicholson wurde die kriminelle Genialität und der perverse Humor des Jokers so krass dargestellt wie in diesem Film. Noch dazu grandios gespielt von Heath Ledger. Viele bezeichnen ihn nicht unverdient als besten Joker-Mimen von allen, aber ich muß zugeben, ich persönlich bin mehr der Anhänger der Nicholson-Fraktion.
Ebenso genial wurde der tragische Fall von Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent noch nie in einem Film so nachvollziehbar und schmerzlich gezeigt, und so hat man sogar Mitleid mit Two Face. Eigentlich hätte diese Geschichte einen eigenen Film verdient, denn neben der Jagd auf den Joker geht das leider etwas unter.
DARK KNIGHT RISES
Dieser Film greift die Handlung der Comicepen "Knightfall" und "Niemandsland" auf und spielt noch ein wenig auf "Contagion – Die Seuche" an.
Bane, Batmans gefährlichster Gegener, taucht in Gotham auf. Bruce Wayne, der acht Jahre zurückgezogen lebte und unter seinen Narben und Verschleißerscheinungen leidet, ist erwartungsgemäß kein Gegner für die Kampfmaschine, die Batman gebrochen zurück lässt und Gotham City in eine rechtlose Zone verwandelt.
In dem grottenschlechten Film "Batman und Robin" wurde Bane nur als hirnloser Muskelberg gezeigt, hier bekommen wir wieder einen Schurken geboten, der Batman geistig und körperlich ebenbürtig ist.
In "Die Seuche" wird angedeutet, daß Bane der Sohn Ras Al Ghuls sein könnte, und so erscheint das im Film auch schlüssig. Um so überraschender ist es am Ende, daß Talia Banes Rolle übernimmt und Bane selbst eher die Rolle Troggs ausfüllt.
Nightwing wurde im Film durch den Polizisten John Blake ersetzt. Das funktioniert zwar ganz gut, aber es fragt sich, warum nach Dick Grayson, Jean-Paul Valley, Damien Wayne und – wie hieß der Typ aus "Batman of the Future" noch mal? - hier ein komplett neuer Nachfolger für das Batman-Kostüm erfunden werden musste.
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