25 März 2014

Rezension: "Gespräch mit Goth" von Thomas Manegold

Ein SzeneDJ, der an sich selbst und seinem Leben verzweifelt und es doch nicht ändern kann, blickt zurück und versucht dennoch, nach vorn zu gehen.
Dabei werden seine Gedanken über die gesellschaftliche Situation, gescheiterte Autoren und eine Bewegung, die doch mal anders sein wollte, offenbart.
Und dann gibt es da doch noch einen Ort, wo er sich selbst leben kann.

Ich habe mal gesagt, ich habe die Schnauze voll von Büchern, in denen der Protagonist über sein Leben jammert, sich über die urbane Melancholie (schüttel) auslässt.
Was ist an Thomas Manegolds Roman anders?
Schlicht und einfach: TOM KANN ES!
So trifft wirklich jedes Wort schmerzhaft genau.

Vielleicht sollte man das Buch zwei mal lesen, denn die ungewohnte Erzählweise in Gedankenbildern und reinen Dialogen macht es beim ersten Mal schwer, nachzuvollziehen, welche Figur gerade erzählt.

Ebenfalls zu empfehlen: „Vorgespräch mit Goth“. Ein kleines Büchlein, das Auszüge aus dem Roman, aber auch neue Texte und eine CD von Lisa Morgenstern enthält.

Eine kleine Warnung: Dieses Buch sollte man nicht während eines depressiven Absturzes lesen

22 März 2014

Rezension: „Alice vs. Wunderland – Eine Pubertäts Dramödie“ von Christian von Aster und K. Ninchen

Die junge Alice Liddell hat es nicht leicht. Probleme in der Schule, zu hause und dann macht auch noch ihr Freund Schluß.
Traurig folgt sie einem weißen Kaninchen mit Taschenuhr, das urplötzlich vor ihr auftaucht und sie in ein bizarres Fantasiereich führt.

Die Geschichte ist bekannt und so fragt man sich „Brauchen wir wirklich eine neue Version von Lewis Carrolls ‚Alice …’?“ – Die Antwort ist „Nein!“
Doch wenn diese neue Version mit dem großartigem Humor und der Liebe zu eleganten Sprachkapriolen eines Christian von Aster erzählt wird, dazu die Bilder von benSwerk, die irgendwo zwischen Kinderbuchillustration, PunkArt und Tim-Burton-Film liegen, ist es egal, ob wir ein solches Buch ‚brauchen’ – MAN WILL ES!

21 März 2014

Rezension: „Metamorphosen – Auf den Spuren H.P. Lovecrafts“

Mit seinem Cthuluh-Mythos schuf Howard P. Lovecraft ein Werk, das die moderne Horrorliteratur beeinflussen sollte, wie nichts anderes.
Kein Wunder, daß sich viele Bücher, Filme und Comics mit dieser Thematik befassen.
Diese Anthologie reiht sich perfekt darin ein und bricht doch daraus hervor.
Denn hier kommt der Schrecken nicht von den Sternen, den Dimensionen zwischen den Türen oder den Tiefen der Ozeane. Er mag dort seinen Ursprung haben, doch ist schon lange bei uns angekommen.
Shoggoten, Deep Ones, Mi-Go oder Wesen, die Dienerkreaturen, Große Alte oder sogar einer der Älteren Götter sein könnten, leben in menschlicher Gestalt auf der Erde und warten darauf, daß die Sterne in der richtigen Konstellation stehen und Cthulhu aus seinem Schlaf erwacht.
Die Figuren stehen dem Grauen hilflos gegenüber und nicht nur einmal muß der Protagonist einer Geschichte erkennen, wie wenig er bisher über seine wahre Natur wußte.

Mit Beiträgen von Christian Damerow, Jan-Christoph Prüfer, Carsten Steenberger, Nina Horvath, Thomas Backus, Sabrina Eberl, Marco Bianchi, Samuel White, Chris Schlicht, Markus Niebrios, Christian Stobbe, Sascha Erni, Robin Hascher, Timo Bader

Erschienen im Verlag Torsten Low

19 März 2014

Rezension: "Für alle benutzbar" SM-Roman von Alex Lain

Es geht um eine junge devote Frau, die von ihrem Herrn anderen Männern zur sexuellen Benutzung vorgeführt wird. Mehr ist über die Handlung nicht zu sagen.

Der Verlag "Blue Panther Books" hat einen gewissen Ruf, was erotische Literatur betrifft. Höchstwahrscheinlich auch zu Recht (ich kenne zu wenig aus dem Verlagsprogramm, um darüber ein Urteil abgeben zu können)
Doch dieses Buch bestätigt diesen Ruf absolut nicht.

Eine Geschichte wird nicht erzählt. Vielmehr erinnert das Buch an eine dieser Episodengeschichten, wie sie in einigen SM-Internetforen üblich sind.

Als Extrem-Fantasie kann man dieses Buch vielleicht durchgehen lassen (obwohl es dafür zu langweilig ist)
Aber als Anregung oder zur Nachahmung ist es nicht zu empfehlen. Da wäre es bedenklich oder sogar gefährlich und würde die Grenze zur Vergewaltigung mehrfach überschreiten.
(Das zwischenmenschliche Element fehlt völlig, Safewort und Ampelcode scheinen nicht zu existieren, je ekliger und brutaler Sklaven und Sklavinnen gequält werden desto besser, Sie dürfen von jedem ohne Ausnahme und ohne Vetorecht benutzt werden)

Ich habe nichts dagegen, wenn SM-Literatur auch mal heftiger wird, aber hier fehlt jeder Anreiz, der das rechtfertigen würde.

Ich werde mir trotzdem weiter Bücher dieses Verlags zulegen und hoffe auf Besseres

18 März 2014

Rezension: "Tecumah und der Wal" von Marcel Schmäling und Kindern des Kindergartens St. Georg Pöring

Der Indianerjunge Tecumah bekommt auf einer Jagd Angst und flieht. Seitdem wird er vom ganzen Stamm verspottet.
Bei einer Waljagd bekommt er eine zweite Chance, doch auch da kann er keine Beute machen. Diesmal allerdings nicht aus Angst, sondern aus Mitleid. Als ein Sturm die Boote zum Kentern bringt, wird er dafür belohnt.

Ein schönes Märchen zum Vorlesen für Vorschulkinder, das Verständnis für die indianische Kultur und einen respektvollen Umgang mit allen Lebewesen vermittelt.

Gerade die Zusammenarbeit mit einem Kindergarten an dem Projekt macht das Buch zu etwas ganz Besonderem.

Hier geht es zum Traumfänger-Verlag

Rezension: Offizielle Marvel-Comic-Sammlung 50 "Fallen Son - Der Tod von Captain America"

Der Krieg unter den Superhelden ist vorbei. Nur eine kleine Gruppe Helden agiert noch vom Untergrund aus ohne Registrierung.
Captain America wird wegen seiner Beteiligung am Widerstand angeklagt. Doch auf dem Weg zu mGericht wird er erschossen.

Der Tod Captain Americas weckt auf den ersten Blick Assoziationen an Supermans Tod. Doch dieser Band hat nichts mit DCs dynamischem Actionepos gemein. Vielmehr geht es darum, wie die Helden mit dem Verlust fertig werden.
Iron Man, Spider-Man, Falcon, Kid und Wolverine müssen sich fragen, ob sie nicht eine Mitschuld tragen.
Der von den Toten zurückgekehrte Hawkeye wird mit der Aussicht konfrontiert, die Tradition weiter zu tragen.
Trotz des drohenden Krieges mit Atlantis ist selbst Namor in einigen nachdenklichen Szenen mit dabei.

Den Captain America-Comics wird oft nachgesagt, sie wären zu sehr amerikanische Propaganda. Doch dabei dürfte diese Serie wohl die unamerikanischste, weil kritischste Marvels sein.
Auf der einen Seite die symbolische Verkörperung des amerikanischen Traums, auf der anderen die Konfrontation mit der harten Wirklichkeit unter der Oberfläche.

Der "Civil War" und "Fallen Son" erschienen, als das Heimatschutzgesetz in den USA durchgeboxt wurde. Damit hatten diese Comics einen sehr großen Symbolwert. Gerade das Ende Captain Americas, der den Freiheitsgedanken widerspiegelt, war damals ein deutlicher Fingerzeig Richtung Washington.

11 März 2014

Rezension: "Wie ein Funke im Feuer" von Kerstin Groeper

Black Hills 1790

Auf einem Erkundungsritt treffen die Lakota Tanzt-im-Feuer und Taschunka-Ayuchtata auf ein Cheyenne-Mädchen. Damit sie ihrem Volk nichts von der Anwesenheit der Lakota sagen kann, verwunden sie sie. Doch Tanzt-im-Feuer bekommt Mitleid und verhindert, daß sein Bruder sie tötet. Seitdem geht sie ihm nicht mehr aus dem Kopf.
Sein Bruder entführt sie später während eines Raubzugs und macht sie Tanzt-im-Feuer zum Geschenk. Doch dieser entscheidet sich, sie zu ihrem Volk zurück zu bringen.
Auf dem Weg verlieben sich Taischeé und Tanzt-im-Feuer ineinander.
Das Cheyenne-Dorf jedoch ist weiter gezogen und so ist es ein weiter und harter Weg, bis es zu einem freundschaftlichen Bündnis der Stämme kommt.

Kerstin Groeper verlegt die Handlung ihres Romans ins späte 18. Jahrhundert.
Die Weißen sind noch nicht so tief ins Innere des amerikanischen Kontinents vorgedrungen und so befasst sich der Roman ausschließlich mit der Lebensweise der Indianer und ihrer Beziehung zu anderen Stämmen.
Und doch wird schon deutlich, was nicht einmal 100 Jahre später zu ihrer tragischen Niederlage führen wird: Die Rivalitäten und Feindseligkeiten der Stämme untereinander schwächen die Völker.

„Wie ein Funke im Feuer" – dieser poetische Titel scheint auf den ersten Blick in keinem Zusammenhang zu dem Roman zu stehen.
Doch wenn man die Lebensweise der Indianer genau betrachtet, beschreibt er diese am besten. Der einzelne Indianer ist wie ein Funke, ein wichtiger Teil des ganzen Stammes (oder Feuers, um beim Bild zu bleiben). Doch wenn dieser Funke abgebrannt und erloschen ist, brennt das große Feuer dennoch weiter.
So endet die Geschichte mit dem Tod Tanzt-im Feuers auch nicht, sondern wird von anderen weitergetragen. Andere kleine Funken und Flammen, die das große Ganze am Leben halten.

Kerstin Groeper hat selbst viele Kontakte zu amerikanischen Urweinwohnern und beschäftigt sich sehr viel mit indianischer Kultur.
So kann sie völlig unverklärt ein lebendiges und authentisches Bild der alten Lebensweise in ihren Büchern widerspiegeln.

Wie gewohnt werden im Anhang des Buches einige beachtens- und unterstützenswerte Hilfsprojekte vorgestellt.

Der Traumfänger-Verlag hat auch einen Stand auf der Leipziger Buchmesse und die Mitarbeiter freuen sich auf Besucher und ihre Fragen.

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